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Protein
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Ein Protein, umgangssprachlich EiweiĂ (veraltet EiweiĂstoff) genannt, ist ein biologisches MakromolekĂŒl, das aus AminosĂ€uren aufgebaut wird, die durch Peptidbindungen verknĂŒpft sind.
Proteine finden sich in jeder Zelle und machen zumeist mehr als die HĂ€lfte des Trockengewichts aus.cite-ref-1[1] Sie dienen ihr als molekulare âWerkzeugeâ und erfĂŒllen je nach der besonderen Struktur unterschiedliche Aufgaben, indem sie beispielsweise Zellbewegungen ermöglichen, Metabolite transportieren, Ionen pumpen, chemische Reaktionen katalysieren oder Signalstoffe erkennen können. Ăberwiegend aus Proteinen bestehen so auch Muskeln, Herz, Hirn, Haut und Haare.
Die Gesamtheit aller Proteine in einem Lebewesen, einem Gewebe, einer Zelle oder einem Zellkompartiment, unter exakt definierten Bedingungen und zu einem bestimmten Zeitpunkt, wird als Proteom bezeichnet.
Contents
âą Proteinstruktur
âą 3D-Darstellung
âą Proteinchemie
âą Reinigung
âą Identifikation
âą Denaturierung
âą Proteinbedarf
âą Proteinmangel
âą Proteinquellen
âą Trivia
âą Siehe auch
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Wortherkunft und Geschichte
Das Wort Protein wurde erstmals 1839 in einer Veröffentlichungcite-ref-2[2] von Gerardus Johannes Mulder benutzt. Diese Bezeichnung wurde ihm 1838 von Jöns Jakob Berzelius vorgeschlagen, der sie von dem griechischen Wort ÏÏÏÏΔáżÎżÏ proteios fĂŒr âgrundlegendâ und âvorrangigâ, basierend auf ÏÏáż¶ÏÎżÏ protos fĂŒr âErster, Vordersterâ oder âVorrangigerâ, abgeleitet hatte. Dahinter stand die irrtĂŒmliche Idee, dass alle Proteine auf einer gemeinsamen Grundsubstanz basieren.cite-ref-3[3] Daraus entstand ein heftiger Streit mit Justus von Liebig.
Dass Proteine aus AminosĂ€urenketten ĂŒber Peptidbindungen aufgebaut sind, wurde zuerst 1902 auf der 14. Versammlung deutscher Naturforscher und Ărzte unabhĂ€ngig von Emil Fischer und Franz Hofmeister, die beide VortrĂ€ge hielten, vermutet. Fischer fĂŒhrte dabei den Begriff Peptid ein.cite-ref-4[4]
Proteinbiosynthese
â
Hauptartikel
:
Proteinbiosynthese
Bausteine der Proteine sind bestimmte als proteinogen, also proteinaufbauend, bezeichnete AminosĂ€uren, die durch Peptidbindungen zu Ketten verbunden sind. Beim Menschen handelt es sich um 21 verschiedene AminosĂ€uren â den 20 seit langem bekannten sowie Selenocystein. Auf acht AminosĂ€uren ist der menschliche Organismus besonders angewiesen, denn sie sind essenziell, was bedeutet, dass der Körper sie nicht selbst herstellen kann, sondern mit der Nahrung aufnehmen muss. Die AminosĂ€ureketten können eine LĂ€nge von bis zu mehreren tausend AminosĂ€uren haben, wobei man AminosĂ€ureketten mit einer LĂ€nge von unter ca. 100 AminosĂ€uren als Peptide bezeichnet und erst ab einer gröĂeren KettenlĂ€nge von Proteinen spricht. Die molekulare GröĂe eines Proteins wird in der Regel in Kilo-Dalton (kDa) angegeben. Titin, das mit ca. 3600 kDa gröĂte bekannte menschliche Protein, besteht aus ĂŒber 30.000 AminosĂ€uren und beinhaltet 320 ProteindomĂ€nen.
Die AminosĂ€urensequenz eines Proteins â und damit sein Aufbau â ist in der DesoxyribonukleinsĂ€ure (DNA) codiert. Der dazu verwendete genetische Code hat sich wĂ€hrend der Evolution der Lebewesen kaum verĂ€ndert. In den Ribosomen, der âProteinproduktionsmaschinerieâ der Zelle, wird diese Information verwendet, um aus einzelnen AminosĂ€uren eine Polypeptidkette zusammenzusetzen, wobei die je von einem Codon bestimmten AminosĂ€uren in der von DNA vorgegebenen Reihenfolge verknĂŒpft werden. Erst mit der Faltung dieser Kette im wĂ€ssrigen Zellmilieu entsteht dann die dreidimensionale Form eines bestimmten ProteinmolekĂŒls.
Das haploide humane Genom enthĂ€lt rund 20.350 Protein-codierende Gene â viel weniger, als vor der Sequenzierung des Genoms angenommen.cite-ref-ihsgc2004-5-0[5] TatsĂ€chlich codieren nur etwa 1,5 % der gesamten genomischen DNA fĂŒr Proteine, wĂ€hrend der Rest aus Genen fĂŒr non-coding RNA, sowie Introns, regulatorischer DNA und nichtcodierenden DesoxyribonukleinsĂ€uren besteht.cite-ref-ihsgc2001-6-0[6] Da viele der Protein-codierenden Gene â etwa durch alternatives Splicing des PrimĂ€rtranskripts (PrĂ€kursor-mRNA) eines Gens â mehr als ein Protein produzieren, kommen im menschlichen Körper weit mehr als nur 20.350 verschiedene Proteine vor. DarĂŒber hinaus kennt man heute Proteine, deren Bildung auf Exons von Genen oder Gensegmenten in rĂ€umlich weit entfernten Chromosomregionen, mitunter sogar unterschiedlichen Chromosomen, zurĂŒckgeht.cite-ref-pmid-15998911-7-0[7] Mithin ist die traditionelle Ein-Gen-ein-Enzym-Hypothese (auch: Ein-Gen-eine mRNA-ein-Protein-Hypothese) fĂŒr höhere Organismen heute nicht mehr haltbar.cite-ref-pmid-18578642-8-0[8]cite-ref-pmid-17569836-9-0[9]
Proteinstruktur
Anzahl der beteiligten AminosÀuren
Kleine Peptide werden als Oligopeptide bezeichnet, wobei Dipeptide nur aus zwei AminosĂ€uren aufgebaut sind, Tripeptide aus drei, Tetrapeptide aus vier AminosĂ€uren etc. GröĂere Peptide mit mehr als zehn AminosĂ€uren werden Polypeptide genannt. Die meisten Proteine sind Ketten von 100 bis 300 AminosĂ€uren, selten haben sie ĂŒber tausend (siehe Balkengrafik). Das gröĂte bekannte Protein besteht aus einer Kette von ĂŒber 30.000 peptidisch verknĂŒpften AminosĂ€uren und ist in Muskelzellen zu finden: Titin.
Proteine brauchen fĂŒr ihre Funktion eine gewisse GröĂe. So können Oligopeptide als Signalstoffe â etwa als Hormon oder als Neurotransmitter â eingesetzt werden, fĂŒr eine Enzymfunktion sind aber meist mehr als 50 AminosĂ€uren nötig. Unbegrenzt viele AminosĂ€uren kann ein Protein schon deshalb nicht enthalten, da nur eine begrenzte Menge AminosĂ€uren zur VerfĂŒgung steht. Zudem hĂ€ngt die Dauer fĂŒr den Zusammenbau einer AminosĂ€urenkette ab von der Anzahl der AminosĂ€uren (siehe Proteinbiosynthese).
RĂ€umlicher Aufbau
Die rÀumliche Struktur bedingt die Wirkungsweise der Proteine. Die Proteinstruktur lÀsst sich auf vier Betrachtungsebenen beschreiben:
âą Als PrimĂ€rstruktur eines Proteins wird die Abfolge (Sequenz) der einzelnen AminosĂ€uren einer Polypeptidkette bezeichnet. Vereinfacht gesagt, könnte man sich eine Kette vorstellen, in der jedes Kettenglied eine AminosĂ€ure darstellt (Schreibweise vom Amino/N- zum Carboxy/C-Terminus: AS1âAS2âAS3âAS4- âŠ). Die PrimĂ€rstruktur beschreibt lediglich die AminosĂ€urensequenz, jedoch nicht den rĂ€umlichen Aufbau des Proteins. Hierzu gehört auch die Signalsequenz.
âą Als SekundĂ€rstruktur wird die Zusammensetzung des Proteins aus besonders hĂ€ufig auftretenden Motiven fĂŒr die rĂ€umliche Anordnung der AminosĂ€uren bezeichnet. Man unterscheidet dabei zwischen folgenden Strukturtypen: α-Helix, ÎČ-Faltblatt, ÎČ-Schleife, ÎČ-Helix und ungeordnete, so genannte Random-Coil-Strukturen. Diese Strukturen ergeben sich durch WasserstoffbrĂŒckenbindungen zwischen den Peptidbindungen des Polypeptid-RĂŒckgrates. Jede AminosĂ€ure in einem Protein hat charakteristische Winkel zwischen den einzelnen Atomen des RĂŒckgrates (Diederwinkel). Den Winkel (N-terminal) vor dem C-Atom mit der Seitenkette einer AminosĂ€ure bezeichnet man als Ï-Winkel, den danach als Ï-Winkel. Diese können, mit einer Nummerierung versehen, in einem Ramachandran-Plot gegeneinander aufgetragen werden, um SekundĂ€rstrukturen anzuzeigen. Alternativ kann ein Janin-Plot verwendet werden.
âą Die TertiĂ€rstruktur ist die der SekundĂ€rstruktur ĂŒbergeordnete rĂ€umliche Anordnung der Polypeptidkette. Sie wird von den KrĂ€ften und Bindungen zwischen den Resten (d. h. den Seitenketten) der AminosĂ€uren bestimmt. Als BindungskrĂ€fte, die diese dreidimensionale Struktur stabilisieren, wirken beispielsweise DisulfidbrĂŒcken, (kovalente Bindungen zwischen den Schwefelatomen zweier Cysteinreste) oder vor allem nicht-kovalente Wechselwirkungen wie die zuvor genannten WasserstoffbrĂŒckenbindungen. ZusĂ€tzlich spielen hydrophobe, ionische und Van-der-Waals-KrĂ€fte eine wichtige Rolle. Durch diese KrĂ€fte und Bindungen faltet sich das Protein weiter.
âą Viele Proteine mĂŒssen sich, um funktionsfĂ€hig sein zu können, zu einem Proteinkomplex zusammenlagern, der so genannten QuartĂ€rstruktur. Dies kann entweder eine Zusammenlagerung von unterschiedlichen Proteinen sein oder ein Verband aus zwei oder mehr Polypeptidketten, die aus ein und derselben Polypeptidkette, dem VorlĂ€uferprotein (engl. Precursor) hervorgegangen sind (vgl.: Insulin). Als VorlĂ€uferproteine bezeichnet man die PrĂ€- (mit noch zu proteolysierenden Signal- oder Aktivierungssequenzen) und die PrĂ€proproteine (mit noch zu proteolysierenden Signal- und Aktivierungssequenzen). Dabei sind die einzelnen Proteine hĂ€ufig durch WasserstoffbrĂŒcken und SalzbrĂŒcken aber auch durch kovalente Bindungen miteinander verknĂŒpft. Die einzelnen Untereinheiten eines solchen Komplexes werden als Protomere bezeichnet. Einige Protomere können ihre Funktion auch als eigenstĂ€ndige Proteine besitzen, aber viele erreichen ihre FunktionalitĂ€t nur im Komplex. Als Beispiel fĂŒr aus mehreren Proteinen zusammengelagerte Komplexe können die Immunglobuline (Antikörper) dienen, bei denen jeweils zwei identische schwere und zwei identische leichte Proteine ĂŒber insgesamt vier DisulfidbrĂŒcken zu einem funktionsfĂ€higen Antikörper verbunden sind.
Die Einteilung in PrimĂ€r- bis QuartĂ€rstruktur erleichtert das VerstĂ€ndnis und die Beschreibung der Faltung von Proteinen. Unter physiologischen Bedingungen faltet eine definierte PrimĂ€rstruktur zu einer bestimmten TertiĂ€rstruktur auf. Anders gesagt: Der Gehalt an Information, der schon in der PrimĂ€rstruktur als lineare AminosĂ€uresequenz enthalten ist, Ă€uĂert sich in Gestalt einer bestimmten dreidimensional formierten Proteinstruktur.
FĂŒr diese Faltung der Polypeptidkette in die charakteristische dreidimensionale Form des nativen Proteins sind aber besondere Umgebungsbedingungen erforderlich â so unter anderem ein wĂ€ssriges Medium, ein pH-Wert in einem bestimmten engen Bereich, eine Temperatur innerhalb gewisser Grenzen. Sie werden erfĂŒllt im Milieu der Zelle innerhalb deren Membran. Dennoch wĂŒrden viele komplexe Proteine nicht spontan zu jener Struktur falten, die in der Zelle funktionstragend ist, sondern brauchen dazu Faltungshelfer, sogenannte Chaperone. Die Chaperone binden an neugebildete (naszierende) Polypeptide â oder denaturierte bzw. beschĂ€digte AminosĂ€ureketten â und verhelfen ihnen unter Verbrauch chemischer Energie zur physiologisch funktionellen Struktur.
Klassifizierung von Proteinen
Man kann Proteine nach der Ă€uĂeren Form in zwei Hauptgruppen einteilen:
âą die fibrillĂ€ren Proteine, die eine fadenförmige oder faserige Struktur besitzen, meist unlöslich sind und zu den StĂŒtz- und GerĂŒstsubstanzen gehören (beispielsweise die Keratine in den Haaren und FingernĂ€geln, Kollagen, Aktin und Myosin fĂŒr die Muskelkontraktion).
Weiterhin werden Proteine nach ihrer Zusammensetzung eingeteilt, z. B. bei konjugierten Proteinen. Daneben ist auch eine Einteilung nach der Funktion möglich, z. B. Strukturproteine.
| MolekĂŒlform | MolekĂŒlform | Nicht-Protein-Anteil |
|---|---|---|
| GlobulÀre Proteine | FibrillÀre Proteine | |
| Albumine | Kollagen | Glykoproteine |
| Globuline | Elastin | Nukleoproteine |
| Histone | Keratin | Chromoproteine |
| Protamine | Fibrinogen | Phosphoproteine |
| Prolamine | Myosin | Lipoproteine |
ProteinoberflÀche
Vereinfachend wird stellvertretend fĂŒr die komplexe Proteinstruktur oft nur das RĂŒckgrat (Backbone) des Proteins abgebildet (z. B. Abbildungen rechts oben). Zum VerstĂ€ndnis der Funktion ist jedoch die OberflĂ€che des Proteins von groĂer Bedeutung. Da die Seitenketten der AminosĂ€uren vom RĂŒckgrat aus in den Raum ragen, tragen auch sie entscheidend zur Struktur bei: Der Verlauf des RĂŒckgrats bestimmt den generellen dreidimensionalen Aufbau, aber die Konturen der OberflĂ€che und die biochemischen Eigenschaften des Proteins werden von den Seitenketten bestimmt.
3D-Darstellung
Zum besseren VerstÀndnis von Aufbau und Funktion ist es unerlÀsslich, die rÀumliche Gestalt von Proteinen mithilfe geeigneter Grafikprogramme darzustellen.
Das meistverbreitete Dateiformat fĂŒr Atompositionsdaten von Proteinen ist das PDB-Format der freizugĂ€nglichen Protein Data Bank. Eine PDB-Datei enthĂ€lt zeilenweise EintrĂ€ge fĂŒr jedes Atom im Protein, sortiert nach der AminosĂ€uresequenz; im einfachsten Fall sind das Atomart und kartesische Koordinaten. Es handelt sich also um ein systemunabhĂ€ngiges Klartext-Format. Auf Basis dieser Datei kann dann z. B. in Jmol die 3D-Struktur dargestellt werden. Ist die natĂŒrliche 3D-Struktur noch nicht ermittelt, hilft nur noch die Proteinstrukturvorhersage.
Siehe auch
:
Molekulardesign
Proteinchemie
Reinigung
â
Hauptartikel
:
Proteinreinigung
Die Aufreinigung und Anreicherung von Proteinen aus biologischem Material ist ein wichtiger Schritt in der biochemischen Identifikation und Charakterisierung von neu entdeckten Proteinen.
In der Biotechnologie und dort besonders bei rekombinanten Proteinen ist die reproduzierbare, sorgfĂ€ltige Proteinreinigung â meist in groĂem MaĂstab â eine wichtige Voraussetzung zur Verwendung dieser Proteine in der Diagnostik oder Therapie.
Quantitativer Nachweis
Folgende Nachweise, die keine Absolutmessungen darstellen und alle ihre Limitationen haben (z. B. Fehlmessungen durch interferierende Substanzen; Bezug auf ein bestimmtes Standardprotein etc.), dienen zur Quantifizierung von Proteinen:
âą UV-Absorption
âą Millon-Reaktion
âą Biuretreaktion
âą Bradford-Test
âą Lowry-Test
âą BCA-Test
âą Folin-Reagenz
⹠AminosÀureanalyse
Identifikation
â
Hauptartikel
:
Proteincharakterisierung
Der Nachweis der IdentitĂ€t eines Proteins kann ĂŒber vielfĂ€ltige Methoden erfolgen. Auch kann ein indirekter Nachweis ĂŒber andere Eigenschaften als die PrimĂ€rstruktur erfolgen, welche jedoch aus ihr folgen, z. B. ĂŒber die Anwesenheit seiner Funktion (Enzymkinetik) im ProbengefÀà oder ĂŒber immunologische Eigenschaften, die unter anderem in einem Western Blot verwendet werden.
Denaturierung
â
Hauptartikel
:
Denaturierung (Biochemie)
Sowohl durch chemische EinflĂŒsse, wie zum Beispiel SĂ€uren, Salze oder organische Lösungsmittel, als auch durch physikalische Einwirkungen, wie hohe oder tiefe Temperaturen oder auch Druck, können sich die SekundĂ€r- und TertiĂ€rstruktur und damit auch die QuartĂ€rstruktur von Proteinen Ă€ndern, ohne dass sich die Reihenfolge der AminosĂ€uren (PrimĂ€rstruktur) Ă€ndert. Dieser Vorgang heiĂt Denaturierung und ist in der Regel nicht umkehrbar, das heiĂt, der ursprĂŒngliche dreidimensionale rĂ€umliche Aufbau kann ohne Hilfe nicht wiederhergestellt werden. Bekanntestes Beispiel dafĂŒr ist das Eiklar im HĂŒhnerei, das beim Kochen fest wird, weil sich der rĂ€umliche Aufbau der ProteinmolekĂŒle geĂ€ndert hat. Der ursprĂŒngliche flĂŒssige Zustand kann nicht mehr hergestellt werden.
Das Wiederherstellen des ursprĂŒnglichen Zustandes des denaturierten Proteins heiĂt Renaturieren.
Mit der Kontrolle ĂŒber das Feuer wurde Menschen auch das Kochen möglich, womit nicht zuletzt Speisen bekömmlicher und leicht verdaulich zubereitet werden können. Durch Denaturierung beim Erhitzen Ă€ndern sich die physikalischen und physiologischen Eigenschaften von Proteinen, etwa beim Spiegelei, das durch die Hitze in der Pfanne verĂ€ndert wird. Auch sehr hohes Fieber kann oberhalb einer gewissen Temperatur körpereigene Proteine denaturieren. Diese Proteine können ihre Aufgaben im Organismus dann nicht mehr erfĂŒllen, was fĂŒr den Menschen lebensgefĂ€hrlich werden kann.
Einige Proteine der roten Blutkörperchen denaturieren beispielsweise bereits bei 42 °C. Der geregelte Fieberanstieg bleibt daher unterhalb solcher Temperaturen. Die Erhöhung der Körpertemperatur beim Fieber bedeutet eine Beschleunigung der Stoffwechselprozesse (siehe RGT-Regel) und erlaubt damit dem Abwehrsystem raschere Reaktionen. Dieses Fieber wird vom Körper selber erzeugt (siehe Pyrogen), um sich besser gegen eingedrungene Erreger oder Fremdkörper (siehe auch Antigen) wehren zu können. Viele der körperfremden Proteine denaturieren schon bei geringeren Temperaturen als die körpereigenen.
Hydrolyse und Oxidation
Die durch hydrolytische Spaltung der Proteinketten (Proteolyse) entstehenden TeilstĂŒcke sind ein Gemisch aus Peptiden und AminosĂ€uren; sind diese unter katalytischer Wirkung von Pepsin entstanden, nennt man sie Pepton, im Falle von Trypsin Trypton.
Durch reaktive Sauerstoffspezies können Proteine oxidiert werden. Dieser Vorgang heiĂt Proteinoxidation und spielt bei der Alterung und einer Reihe von pathologischen Prozessen eine wichtige Rolle. Die Oxidation kann einen weitgehenden Funktionsverlust bedeuten und zur Ansammlung von degenerierten Proteinen in der Zelle fĂŒhren.cite-ref-10[10]
Biologische Funktionen
Proteine können im Organismus folgende, sehr spezielle Funktionen haben:
âą Schutz, Verteidigung gegen Mikroorganismen
⹠Antikörper (extern und intern) dienen zur Abwehr von Infektionen.
âą Beutefang
âą Toxine fĂŒhren zur LĂ€hmung von Beutetieren, z. B. bei Schlangen, bei Skorpionen und (durch Conotoxine) bei Kegelschnecken.
⹠Körperstruktur, Bewegung
⹠Kollagene, die bis zu 1/3 des gesamten Körperproteins ausmachen können, sind Strukturproteine der Haut, des Bindegewebes und der Knochen. Als Strukturproteine bestimmen sie den Aufbau der Zelle und damit letztlich die Beschaffenheit der Gewebe und des gesamten Körperbaus.
⹠Keratinstrukturen wie Haare/Wolle, Hörner, NÀgel/Klauen, SchnÀbel, Schuppen und Federn
⹠SeidenfÀden bei Spinnen und Insekten
âą Stoffumsatz (hier Proteinmetabolismuscite-ref-11[11]), Transport, Signalfunktion
âą Enzyme ĂŒbernehmen Biokatalysefunktionen, d. h., sie ermöglichen und kontrollieren sehr spezifische (bio)chemische Reaktionen in Lebewesen.
⹠Als IonenkanÀle regulieren Proteine die Ionenkonzentration in der Zelle, und damit deren osmotische Homöostase sowie die Erregbarkeit von Nerven und Muskeln.
âą Als Transportproteine ĂŒbernehmen sie den Transport körperwichtiger Substanzen wie z. B. HĂ€moglobin, das im Blut fĂŒr den Sauerstofftransport zustĂ€ndig ist, oder Transferrin, das Eisen im Blut transportiert.
âą In Zellmembranen befinden sich Membranrezeptoren; meist Komplexe aus mehreren Proteinen (auch Multiproteinkomplexe genannt), die Substanzen auĂerhalb der Zelle erkennen und binden. Dadurch ergibt sich eine KonformationsĂ€nderung, die dann als Transmembransignal im Innern der Zelle erkannt wird.
âą Adapterproteine verbinden vorĂŒbergehend mehrere andere Proteine, wodurch eine Signaltransduktion entstehen kann
⹠Manche (meist kleinere Proteine) steuern als Hormone VorgÀnge im Körper.
âą Als Blutgerinnungsfaktoren verhindern die Proteine einerseits einen zu starken Blutverlust bei einer Verletzung eines BlutgefĂ€Ăes und andererseits eine zu starke Gerinnungsreaktion mit Blockierung des GefĂ€Ăes.
âą Auto-fluoreszierende Proteine in Quallen.
âą Reservestoff
⹠Als Reservestoff kann der Körper Proteine im Hungerzustand als Energielieferanten verwenden. Dabei können die in Leber, Milz und Muskeln gespeicherten Proteine nach Proteolyse und Abbau der entstehenden AminosÀuren zu Pyruvat entweder zur Glukoneogenese oder direkt zur Energiegewinnung genutzt werden.
Mutationen in einem bestimmten Gen können potentiell VerÀnderungen im Aufbau des entsprechenden Proteins verursachen, woraus sich folgende mögliche Auswirkungen auf die Funktion ergeben:
⹠Die Mutation bewirkt einen Verlust in der Proteinfunktion; solche Fehler mit teils vollstÀndigem Wegfall der ProteinaktivitÀt liegen vielen erblichen Krankheiten zugrunde.
âą Die Mutation bewirkt bei einem Enzym die Erhöhung der EnzymaktivitĂ€t. Dies kann vorteilhafte Wirkung haben oder ebenfalls zu einer Erbkrankheit fĂŒhren.
âą Trotz der Mutation bleibt die Funktion des Proteins erhalten. Dies wird als stille Mutation bezeichnet.
âą Die Mutation bewirkt eine funktionelle VerĂ€nderung, die vorteilhaft fĂŒr die Zelle, das Organ oder den Organismus ist. Ein Beispiel wĂ€re ein Transmembranprotein, das vor der Mutation nur in der Lage ist, den stoffwechselbaren Metaboliten A aufzunehmen, wĂ€hrend nach der Mutation auch der Metabolit B regulierbar aufgenommen werden kann und sich dadurch z. B. die Nahrungsmittelvielfalt erhöht.
Protein in der Nahrung
Proteinbedarf
Proteine erfĂŒllen im menschlichen Körper zahlreiche Aufgaben und sind fĂŒr alle Organfunktionen von Bedeutung, insbesondere bei der Heilung von Wunden und Krankheiten. Zum Aufbau, zum Erhalt und zur Erneuerung der Körperzellen brauchen Menschen eine Nahrung, die Protein enthĂ€lt. Bezogen auf das Körpergewicht (KG) ist der Bedarf in den Wachstumsphasen zu Lebensbeginn am höchsten.
Im ersten Lebensmonat sollte der SĂ€ugling tĂ€glich eine Proteinmenge von etwa 2,5 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht (g/kg KG) aufnehmen, gegen Ende des ersten Lebensjahrs genĂŒgen etwa 1,3 g/kg KG.cite-ref-dge-12-0[12] Ab dem zweiten Lebensjahr empfiehlt die Deutsche Gesellschaft fĂŒr ErnĂ€hrung fĂŒr die tĂ€gliche Aufnahme von Protein mit der Nahrung lebensaltersabhĂ€ngige Referenzwerte zwischen 1,0 und 0,8 g/kg. Bei Kleinkindern (1,0) ist der Bedarf höher als bei Ă€lteren Kindern und Jugendlichen (0,9), bei jĂŒngeren Erwachsene (0,8) niedriger als bei ĂŒber 65 Jahre alten (geschĂ€tzt 1,0) â jeweils bezogen auf das Normalgewicht, nicht das tatsĂ€chliche Körpergewicht. Ăbergewichtige brauchen nicht mehr als normalgewichtige Menschen. Dagegen ist bei schwangeren Frauen der Bedarf um circa 20 % erhöht (1,0), bei stillenden liegt er noch höher (1,2).cite-ref-dge-12-1[12] Es gibt jedoch eine Ăbersichtsarbeit von 2010, die auch in einem Bericht einer Expertenkommission der ErnĂ€hrungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (2013) Beachtung fand,cite-ref-pmid26369006-13-0[13] welche den Tagesproteinbedarf fĂŒr durchschnittliche Erwachsene mit 0,91â1,2 g/kg KG deutlich höher einschĂ€tzt.cite-ref-pmid19841581-14-0[14] Bei körperlicher AktivitĂ€t steigt der Bedarf an Protein laut DGE nicht an.cite-ref-15[15] Eine NierenschĂ€digung aufgrund erhöhten EiweiĂkonsums wurde mehrmals in Langzeitstudien widerlegt.cite-ref-16[16]
Das mit der Nahrung aufgenommene Protein wird in Magen und Darm verdaut, in kleinere Bestandteile zerlegt und in Bausteine aufgespalten. Zellen der Darmschleimhaut resorbieren diese und geben die einzelnen AminosĂ€uren in die (portale) Blutbahn ab, die zur Leber fĂŒhrt. Der menschliche Organismus kann einige der AminosĂ€uren nicht selber herstellen, braucht sie aber als Baustein seiner eigenen Proteine. Mit der Nahrung zugefĂŒhrtes Protein muss also hinreichen, den Bedarf fĂŒr jede dieser unentbehrlichen (essenziellen) AminosĂ€uren abzudecken.
Proteinmangel
Ein Mangel an Protein kann eine Reihe von Symptomen hervorrufen. Andauernder EiweiĂmangel fĂŒhrt zu Marasmus, Kwashiorkor oder zu beidem und letzten Endes zum Tod.
âą Die EiweiĂmangelkrankheit Kwashiorkor tritt vorwiegend in sogenannten EntwicklungslĂ€ndern auf und betrifft meist unterernĂ€hrte Kinder, deren fortgeschrittenes Leiden an einem Hungerbauch zu erkennen ist, hervorgerufen durch Einlagerung von Wasser. Wegen der fehlenden BluteiweiĂe wie Albumin kommt es auch in anderen Körperregionen zu Ădemen (Hungerödemen). Weitere Symptome sind u. a.
âą verminderte Haarpigmentierung
⹠MuskelschwÀche
âą Apathie
Ein EiweiĂmangelödem oder kolloidosmotisches Ădem entsteht durch eine HypoproteinĂ€mie, die durch einen EiweiĂmangel hervorgerufen wird und einen verminderten kolloidosmotischen Druck verursacht. Es tritt beispielsweise bei einer MangelernĂ€hrung, bei fortgeschrittenen Lebererkrankungen oder einem nephrotischen Syndrom auf.cite-ref-17[17]
Durch das Absinken des kolloidosmotischen Drucks wird FlĂŒssigkeit in das umliegende Gewebe gedrĂŒckt, wodurch sich ein Ădem bildet.cite-ref-18[18]
Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit eines Proteinmangels, da die FĂ€higkeit des Körpers, EiweiĂ effektiv zu verwerten, abnimmt. Somit besteht ein höherer EiweiĂbedarf.
Bei herzkranken Patienten kann Proteinmangel die Herzmuskelfunktion beeintrÀchtigen und die Erholungsphase nach Herzoperationen verlangsamen.cite-ref-19[19]
Zu einem EiweiĂmangel kommt es in den IndustrielĂ€ndern allerdings sehr selten und nur bei extrem proteinarmen ErnĂ€hrungsformen. Die durchschnittliche deutsche Mischkost enthĂ€lt mit 100 Gramm EiweiĂ pro Tag mehr als genug Protein. Obgleich in der Werbung EiweiĂpulver als fĂŒr Breitensportler empfehlenswert angepriesen werden, deckt âunsere ĂŒbliche ErnĂ€hrung [âŠ] auch den EiweiĂbedarf von Sportlern abâ, wie es dazu in einem Bericht des Ministeriums fĂŒr ErnĂ€hrung und LĂ€ndlichen Raum Baden-WĂŒrttembergs heiĂt.cite-ref-20[20]
Proteinquellen
Sehr proteinhaltige Nahrungsmittel (in alphabetischer Reihenfolge) sind:
âą Eier
âą Fisch
âą Fleisch
âą HĂŒlsenfrĂŒchte (Soja, Lupinen ca. 40 %: Bohnen, Linsen, Erbsen, Kichererbsen ca. 20 % bis 25 %)
âą NĂŒsse
⹠Raps (ca. 40 % im Samen; das aus Raps gewonnene Speiseöl einhÀlt kein Protein)
Eine weitere Proteinquelle ist die Quinoa-Pflanze, welche neben ihrem hohen EiweiĂ-Gehalt (etwa 14 g auf 100 g) alle 9 essentiellen AminosĂ€uren enthĂ€lt.cite-ref-21[21] Ihrer Bedeutung als Nahrungsquelle bewusst, erklĂ€rte der ehemalige UN-GeneralsekretĂ€r Ban Ki-moon das Jahr 2013 zum Jahr der Quinoa, da sie besonders in der Zeit des Klimawandels als wichtige Nahrungsquelle dienen und den Hunger in den EntwicklungslĂ€ndern bekĂ€mpfen soll.
Proteinverwertung
FrĂŒher ging man davon aus, dass der menschliche Körper pro Mahlzeit höchstens 20 â 25 Gramm Protein effektiv verwerten kann und dass die ĂŒberschĂŒssigen AminosĂ€uren verbrannt werden. Diese Annahme stĂŒtzte sich auf Dosis-Wirkungs-Studien mit einer geringen Proteinzufuhr von weniger als 45 Gramm und einer kurzen Nachbeobachtungszeit von weniger als 6 Stunden. Jedoch belegt eine neue Studie, dass die anabole Reaktion nach der Proteinzufuhr pro Mahlzeit nicht nach oben begrenzt ist. Je mehr Protein allerdings wĂ€hrend einer Mahlzeit zugefĂŒhrt wird, desto lĂ€nger dauert die Proteinaufnahme und desto lĂ€nger ist demzufolge der AminosĂ€urespiegel im Blut erhöht. Dabei kommt es jedoch nicht zu einer Verbrennung ĂŒberschĂŒssigen Proteins.
Entscheidend ist demnach einzig und allein die Gesamtmenge an Proteinen und nicht die Proteinmenge pro Mahlzeit. Die Proteine werden unabhĂ€ngig von der zugefĂŒhrten Menge stets effektiv verwertet.cite-ref-22[22]
Gesundheitliche Aspekte
Stand bislang vor allem die Menge von Proteinen im Vordergrund, so rĂŒckt zunehmend die Quelle von Proteinen und deren gesundheitliche Wirkung in den Blick der Forschung.cite-ref-23[23] Heute wird aus gesundheitlicher Sicht zum vermehrten Konsum pflanzlicher Proteinquellen geraten.cite-ref-24[24] So zeigt eine Studie aus dem Jahr 2016, dass eine positive Korrelation zwischen dem Konsum von pflanzlichen Proteinquellen und einer geringeren MortalitĂ€t aufgrund von Herzkreislauferkrankungen besteht.cite-ref-25[25] Eine Studie aus dem Jahr 2021 bestĂ€tigt dieses Ergebnis. In ihr waren pflanzliche EiweiĂquellen sowohl mit einer geringeren GesamtmortalitĂ€t verbunden als auch mit einer geringeren MortalitĂ€t aufgrund von Demenz und Herzkreislauferkrankungen. Tierisches EiweiĂ wie verarbeitetes rotes Fleisch und Eier waren hingegen mit einer höheren GesamtmortalitĂ€t verbunden.cite-ref-26[26] Eine Studie aus 2023 sieht zwar ein geringeres Risiko fĂŒr Herzkreislauferkrankungen bei Bevorzugung von pflanzlichem EiweiĂ, ordnet die Evidenz dafĂŒr jedoch als gering ein.cite-ref-27[27] Allerdings trĂ€gt der Wechsel von tierischen zu pflanzlichen Proteinquellen auch zur Reduktion von CO2-Emissionen und der möglichen Verringerung von Folgen der globalen ErwĂ€rmung bei (Siehe auch: Planetare Gesundheit).cite-ref-28[28]cite-ref-29[29]
Bei einer Ăberversorgung mit EiweiĂ kann es zu einer Vergiftung kommen.
Wertigkeit von Proteinen
Der Protein Digestibility Corrected Amino Acid Score (PDCAAS) wird von der ErnĂ€hrungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO/WHO) und der US Food and Drug Administration als âdie beste Methodeâ zur Bestimmung der ProteinqualitĂ€t angenommen.cite-ref-30[30]cite-ref-pmid10867064-31-0[31] Die Kennzahl berĂŒcksichtigt sowohl die AminosĂ€urenzusammensetzung als auch die Verdaulichkeit dieser. Besondere Bedeutung kommt hierbei dem Gehalt an essentiellen AminosĂ€uren zu. DarĂŒber hinaus gibt es das Ă€ltere und mittlerweile ĂŒberholte Konzept der biologischen Wertigkeit. 2013 hat die FAO auĂerdem den Digestible Indispensable Amino Acid Score (DIAAS) als Bewertungsmethode zur Bestimmung der ProteinqualitĂ€t ins Spiel gebracht.cite-ref-pmid28969364-32-0[32]cite-ref-pmid27452871-33-0[33]cite-ref-pmid27708684-34-0[34] Hauptunterschied ist, dass beim DIAAS die echte ileale Verdaulichkeit gemessen wird. Der DIAAS wird grundsĂ€tzlich nicht gekĂŒrzt und kann auch Werte ĂŒber 100 % annehmen. Nur bei der Betrachtung der gesamten Proteinzufuhr, unabhĂ€ngig davon, ob es sich um eine Mischkost oder um ein einzelnes Nahrungsmittel, wie beispielsweise SĂ€uglingsnahrung, handelt, muss der DIAAS auf 100 % gekĂŒrzt werden.cite-ref-35[35]
Insgesamt bleibt eine Bewertung von verschiedenen Proteinquellen schwierig, wenn es um den Erhalt normaler Körperfunktionen geht. So schreibt die Encyclopedia of Human Nutrition:
âDer metabolische Bedarf fĂŒr die Erhaltung normaler Körperfunktionen und -zusammensetzung ist ein wenig verstandener Vorgang von AminosĂ€uren, die in vielen weiteren metabolischen VorgĂ€ngen zum Einsatz kommen, welche nichts mit der Proteinsynthese zu tun haben und welche jedenfalls völlig unterschiedlich von WachstumsvorgĂ€ngen (bspw. den AminosĂ€urevorgĂ€ngen in Gewebe) sind und als solche einen weit geringeren Proteinbedarf haben. Daher ist es sehr schwierig den Unterschied von tierischem und pflanzlichen Proteinquellen zu demonstrieren und dieser ist vermutlich weniger bedeutend fĂŒr die menschliche ErnĂ€hrung. Derzeit herrscht betrĂ€chtliche Uneinigkeit ĂŒber die nötige Höhe an essenziellen AminosĂ€uren in der menschlichen ErnĂ€hrung und es gibt unterschiedlichste Ansichten ĂŒber die relative Bedeutung der ProteinqualitĂ€t in der ErnĂ€hrungswissenschaft.â
â
D J Millward
:
Encyclopedia of Nutrition
Wirtschaftliche Bedeutung
Die Gesamtmenge der als nachwachsende Rohstoffe in der stofflichen Nutzung verwendeten Proteine wird fĂŒr Deutschland im Regelfall mit etwa 55.000 t pro Jahr angegeben.cite-ref-fnr-2006-37-0[37] Genaue Angaben ĂŒber die Herkunft dieser Proteine gibt es nicht, es ist jedoch anzunehmen, dass sie zu einem groĂen Teil tierischer Herkunft sind.
Der GroĂteil pflanzlicher Proteine wird fĂŒr die Futtermittelindustrie aufgewendet, so die als Nebenprodukte bei der Pflanzenölpressung und -extraktion anfallenden PressrĂŒckstĂ€nde (z. B. Raps- und Sojakuchen, Extraktionsschrot) und Nebenprodukte der Gewinnung von StĂ€rke aus Getreide. Pflanzen, die zur Hauptnutzung als Proteinpflanzen angebaut werden, wie bspw. Lupine, EiweiĂerbse und Ackerbohne, haben nur eine geringe Bedeutungcite-ref-38[38] â die GesamtflĂ€che fĂŒr den Anbau dieser Pflanzen als nachwachsende Rohstoffe in Deutschland liegt bei etwa 30 ha pro Jahr.cite-ref-39[39] Etwa 1.000 t Weizenproteine werden jĂ€hrlich in der chemischen Industrie eingesetzt.
Von zentraler Bedeutung fĂŒr die chemisch-technische und biotechnologische Industrie sind dagegen tierische Proteine. Dabei spielt vor allem die Gelatine eine zentrale Rolle, die in Europa vor allem aus Rinderspalt, Schweineschwarten sowie Knochen von Rindern und Schweinen gewonnen wird. In Deutschland werden jĂ€hrlich etwa 32.000 t Gelatine in SpeisequalitĂ€t hergestellt, die europĂ€ische Gesamtproduktion betrĂ€gt 120.000 t (70 % Schweineschwarten, 18 % Knochen, 10 % Rinderspalt, 2 % Sonstige).cite-ref-40[40]cite-ref-gme-41-0[41] Verwendet werden in Deutschland etwa 90.000 t, wobei 2/3 im ErnĂ€hrungsbereich und von dem Rest etwa die HĂ€lfte fĂŒr den Futtermittelbereich aufgewendet werden. Etwa 15.000 t werden in der chemischen und pharmazeutischen Industrie verwendet. Dabei finden sich die Haupteinsatzbereiche in der Pharmaindustrie, mit UmhĂŒllungen von Tabletten und VitaminprĂ€paraten (Hart- und Weichkapseln) sowie GelatinezĂ€pfchen. AuĂerdem wird Gelatine fĂŒr blutstillende SchwĂ€mmchen sowie als Blutplasmaersatz eingesetzt. In der analogen Fotografie stellt Gelatine die Basis fĂŒr die fotoempfindlichen Schichten auf dem Film und dem Fotopapier dar. Auch moderne Druckerpapiere zum Ausdrucken von Farbbildern sind mit Gelatine beschichtet.cite-ref-gme-41-1[41]
Neben Gelatine stellt Casein eine wichtige Proteinquelle fĂŒr die chemische Industrie dar. Das aus MilcheiweiĂ gewonnene Protein wird vor allem als Beschichtungsmaterial fĂŒr Glanzpapiere sowie als Zusatz fĂŒr Streichfarben verwendet (ca. 1â2 % je nach Hersteller). Zudem findet es Verwendung als Etikettenkleber auf Glasflaschen. JĂ€hrlich werden in Deutschland etwa 8.000 bis 10.000 t Casein eingesetzt.
Die Nutzung von Proteinen aus Blutmehl zur Herstellung von bio-basierten Kunststoffen (z. B. Pflanztöpfe) befindet sich noch in der Entwicklung, ebenso ein Verfahren zur biotechnologischen Herstellung von Fasern aus Seidenproteinen zur Verarbeitung in SchÀumen, Vliesstoffen oder Folien.cite-ref-42[42]cite-ref-43[43]cite-ref-44[44]
Etwa 6.000 bis 7.000 t Proteine sind Autolyseprodukte aus Hefen (Hefeextrakte). Diese finden Anwendung vor allem in der Pharmazeutischen Industrie und der Nahrungsmittelindustrie sowie in der Biotechnologischen Industrie als NĂ€hrlösung fĂŒr Mikroorganismen.
Gewinnung von pflanzlichen Proteinen
Pflanzliche Proteine können aus Soja, Erbsen, Lupinen, Raps oder anderen proteinreichen FrĂŒchten wie z. B. Sonnenblumenkernen u. a. m. gewonnen werden. Die geernteten proteinhaltigen FrĂŒchte werden mechanisch zerkleinert und entfettet. Es entstehen Flocken oder ein proteinreiches Pulver. AnschlieĂend wird unter Verwendung von Lösungsmitteln ein Proteinkonzentrat gewonnen, das ggf. weiter zu Proteinisolat gereinigt und aufkonzentriert wird: Die Flocken oder Mehl werden mit Wasser versetzt und angemaischt. Die proteinarmen Fasern und Feststoffe werden im nĂ€chsten Schritt mit Hilfe von Industriezentrifugen von der proteinreichen Lösung abgetrennt. Dann folgt die sogenannte AusfĂ€llung. Hier wird der pH-Wert der proteinreichen Lösung auf den isoelektrischen Punkt eingestellt. Dadurch setzen sich die Proteinpartikel ab. Diese werden dann wiederum mittels Zentrifugen von der Lauge abgetrennt. Um alle Bestandteile der Mutterlauge aus dem ausgefĂ€llten und abgetrennten Protein zu entfernen, wird das Protein erneut mit Wasser versetzt und wieder mit Hilfe der Zentrifugalkraft abgetrennt.cite-ref-45[45]cite-ref-46[46]
Bei einer Trockenextrusion wird unter ZufĂŒhrung von WĂ€rme, Druck und Hilfsstoffen ein Zwischenprodukt mit niedrigem Wassergehalt erzeugt. Es wird in der Fachsprache als TVP (Texturized Vegetable Protein) bezeichnet und hat eine trockene Konsistenz in Form von Körnern, Streifen oder Flocken. Dies kann durch Zugabe von Wasser zu einem schwammartigen Vorprodukt fĂŒr Fleischersatzprodukte weiter verarbeitet werden. Bei einer Nassextrusion wird alternativ mit einem höheren Wassergehalt operiert. Die Feuchtigkeit des Zwischenproduktes liegt daher nĂ€her am Wassergehalt des Endproduktes. Das Zwischenprodukt wird als HMMA (High Moistured Meat Analogues) bezeichnet.
Industrielle Nutzung neuer Proteinquellen
Als vollwertigen Ersatz des proteinreichen Fischmehls durch Protein aus Fliegenlarvenmehl zĂŒchtet ein Unternehmen auf dem agrarwissenschaftlichen GelĂ€nde der UniversitĂ€t Stellenbosch in Elsenburg (SĂŒdafrika) millionenfach Stubenfliegen (Musca domestica) heran. Aus einem Kilogramm Fliegeneier können in nur 72 Stunden ungefĂ€hr 380 bis 420 Kilogramm Protein entstehen.
Bei entsprechender GroĂproduktion könnte ein groĂer Teil der weltweiten Fischmehlproduktion eingespart und die Weltmeere vom industriellen Fischfang entlastet werden. Noch 2012 will das Unternehmen âAgriproteinâ in die Massenherstellung gehen.cite-ref-tagesschau-47-0[47] TĂ€glich werden 65 t Blut aus herkömmlichen Schlachtereien benötigt, um 100 t Fliegenlarven innerhalb eines Zeitraumes von ca. 3 Tagen auf eine LĂ€nge von jeweils rund 12 mm heranzuziehen. Im Wege der Trocknung, Vermahlung zu Madenmehl und anschlieĂenden Pelletierung können so tĂ€glich 20 t des Proteinprodukts gewonnen werden.cite-ref-efeedlink-48-0[48] Eine weitere Pilotanlage in Deutschland wird von der deutschen Regierung mit 50 % gefördert.cite-ref-efeedlink-48-1[48] Das Unternehmen hat 2012 den People and Environment Achievement Award erhalten.cite-ref-tagesschau-47-1[47]cite-ref-49[49]cite-ref-50[50]cite-ref-51[51]cite-ref-52[52]
Siehe auch
:
Insekten als Nahrungsmittel
Herstellung und Optimierung rekombinanter Proteine
Die Herstellung rekombinanter Proteine mit genau festgelegter AminosĂ€uresequenz und möglicherweise weiteren VerĂ€nderungen (z. B. eine Glykosylierung) geschieht sowohl im Labor als auch groĂtechnisch entweder durch Peptidsynthese oder biotechnologisch durch Ăberexpression in verschiedenen Organismen und folgender Proteinreinigung.
Im Zuge des Protein-Engineerings können Eigenschaften des gewĂŒnschten Proteins gezielt (ĂŒber das Proteindesign) oder zufĂ€llig (ĂŒber eine gerichtete Evolution) verĂ€ndert werden. Prinzipiell können industriell dieselben Verfahren angewandt werden wie im Labor, jedoch ist die Verwendung von Nutzpflanzen durch Pharming am besten fĂŒr die groĂtechnische Nutzung geeignet, bei der mit Bioreaktoren in ReinrĂ€umen gearbeitet wird. Um die geeigneten Organismen zu erhalten, werden gentechnische Methoden eingesetzt.
Die technische Produktion nativer Proteine findet weltweit hauptsĂ€chlich in der Pharmazie (Biopharmazeutika) und zur industriellen Verwendung von Enzymen als WaschmittelzusĂ€tze (Proteasen, Lipasen, Amylasen und Cellulasen) oder in der Milchverarbeitung (Lactasen) statt. Proteine fĂŒr die Nahrungsmittelindustrie mĂŒssen nicht notwendigerweise in nativer Form hergestellt werden, da eine biologische AktivitĂ€t nicht immer erforderlich ist, z. B. bei KĂ€se oder Tofu.
Bedeutung fĂŒr die ArchĂ€ologie
Insbesondere mit Hilfe verbesserter Methoden der Massenspektrometrie ist es heute möglich, Proteine oder Teile von Proteinen aus archĂ€ologischen und palĂ€ontologischen Funden zu analysieren. Aus der Rekonstruktion âfossilerâ Proteine kann zudem auf die sie codierenden Gene und damit auf den Bau der aDNA zurĂŒckgeschlossen werden.cite-ref-53[53]
Trivia
âSeidenglanz-Proteineâ, die als Zusatz fĂŒr Haarwaschmittel fĂŒr Menschen und zur Fellpflege fĂŒr Tiere beworben werden (um vorgeblich Glanz zu erzeugen), werden aus den Resten von Puppen der Seidenraupen, nach Ablösung der diese umhĂŒllenden SeidenfĂ€den, hergestellt.
Im Februar 2020 berichteten Wissenschaftler den Fund eines Protein âHemolithinâ im Inneren des 1990 gefundenen Meteoriten âAcfer 086â. Proteine sind essentielle Bauteile fĂŒr die Entstehung von Leben. Falls ihre kontroverse Studie im Peer-Review bestĂ€tigt wird, könnte dies die Panspermie-Hypothese stĂŒtzen. Das Protein könnte in protoplanetarem oder interstellarem Gas entstanden sein.cite-ref-sa-20200302-54-0[54]cite-ref-55[55]cite-ref-arx-20200222-56-0[56]
Siehe auch
Literatur
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âą Friedrich Lottspeich, Joachim W. Engels (Hrsg.): Bioanalytik. 3. Auflage. Springer Spektrum, Berlin/Heidelberg 2012, ISBN 978-3-8274-2942-1.
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Weblinks
Commons
: Proteinstrukturen
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Protein
â BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
âą Peptide, Polypeptide (Proteine)
âą Protein Database (AminosĂ€urensequenzen, 3D-Strukturen âŠ)
âą Human Protein Atlas â der Atlas enthĂ€lt ĂŒber 1 Million von Pathologen zertifizierte Abbildungen und gibt Auskunft ĂŒber die Lokalisation und Expression von Proteinen in humanem Normal- und Tumorgewebe
âą Proteopedia â Proteopedia ist eine interaktive 3D-EnzyklopĂ€die ĂŒber Proteine und andere BiomolekĂŒle im Wikipedia-Format (englisch)
âą UniProt enthĂ€lt AminosĂ€uresequenzen von und selektive Informationen zu natĂŒrlich vorkommenden Proteinen
Einzelnachweise
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